Der Spass zählt – oder doch die Leistung?

Der Schreibende freut sich ganz besonders auf den heutigen Tag. Zum ersten Mal überhaupt in diesem Jahr kann er die Gelegenheit nutzen, um an einer offiziellen VCO-Ausfahrt teilzunehmen. Ausgangsort der Sommer-Tagestour ist wie so oft die Tacho-Bar an der Bernstrasse in Steffisburg. Diese Bar ist zwar ein beliebter Treffpunkt für Zweiradfahrer, jedoch für solche mit einem unterstützenden Verbrennungsmotor (eigentlich logisch, sonst würde sie nämlich nicht auf den Namen Tacho-, sondern GPS-, Garmin- oder Strava-Bar lauten). Später am Tag wird moniert, dass der Service gelegentlich zu Wünschen übrig lasse, was eigentlich nur an der falschen Bekleidung der Vertreter unserer Zunft liegen kann (Kunstfaserdress anstatt Lederkombi). Nun, das Lokal liegt strategisch optimal für Ausfahrten in die nähere Umgebung, zudem lässt sich von hier aus beobachten, wer sonst noch per Zweirad auf dem Weg ins oder aus dem Oberland ist.

Unser erstes Zwischenziel liegt in Jassbach. Nach der Überquerung des Bergpreises in Heimenschwand überraschen wird dort den aus der vergangenen Clubtour bekannten „Grümscheler“ Adolf Steiner. Döifu freut sich sehr über unseren Besuch und würde am liebsten gleich selber in die Pedale klicken und uns auf der weiteren Fahrt begleiten. Bei einem Rundgang durch sein neu eröffnetes Geschäft stellt man sich die Frage, ob der Name „Grümscheler“ in der Zwischenzeit nicht schon wieder veraltet ist. Es ist jedenfalls genügend gutes Material vorhanden, um ein halbes Tour-de-Suisse-Feld auszustatten. Dann hoffen wir, dass die Kunden auch davon profitieren und nicht nur in der Liiribar über vergangene Heldentaten prahlen.

Der nächste Stopp ist auf dem Blapbach vorgesehen. Sigi und der Weltmeister starteten mit Vorsprung. Raffael, der schon vor längerer Zeit die Krone im Bergauffahren abgegeben hatte, leistet für die anderen drei Begleiter über die leicht abfallende Strasse bis Eggiwil Führungsarbeit im Gegenwind. Dort biegt Möschtu als erster in die Steigung hinein, die übrigen drei müssen noch kurz austreten. Zum Erstaunen aller kann Möschtu schliesslich fast seinen ganzen Vorsprung bis zum Kulminationspunkt verwalten. So können der Weltmeister und Sigi nicht nur die herrliche Aussicht auf die Emmentaler Hügel und die dahinterliegenden Alpen bewundern, sondern auch, wie Möschtu vor dem Präsi, dem CCB-Gastfahrer Manfred und dem Webmaster oben eintrifft. Erlebt das „Wunder vom Tirol“ eine Wiederauferstehung?

Die Teilnehmer (v. l. n. r.): Möschtu (hinten), Sigi, der Weltmeister, der Präsi (hinten) und Manfred D. Es fehlt: der Webmaster

Der dritte Bergpreis des Tages erwartet uns auf der Lüderenalp. Der Weltmeister hat uns in der Zwischenzeit verlassen, da er noch repräsentativen Verpflichtungen nachkommen muss. Gleich unten in der Steigung drückt der Präsi mächtig in die Pedale und kann sogleich eine kleine Lücke aufreissen. Offenbar hat ihm die auf dem Blapbach eingenommene Gulaschsuppe neue Kräfte verliehen (vom Genuss her war die Suppe jedoch keine Freude, zu dickflüssig und künstlich im Geschmack). Der Webmaster und ein weiterer, schwer atmender Fahrer bleiben ihm aber auf den Fersen. Einige hundert Meter später traut ersterer seinen Augen nicht, als sich letzterer als Möschtu entpuppt und dieser auch noch an ihm vorbeizieht, ja, ihn sogar stehen lässt. Ihn sollte aber nicht dasselbe Schicksal wie den Vizepräsi im Tirol ereilen; darum fasst sich der Webmaster auf einem flachen Zwischenstück nochmals ein Herz und schliesst die Lücke zu Möschtu wieder. Kurz vor der Passhöhe ist dann sogar der Präsi wieder in Reichweite, mangels Streckenkenntnissen kommt der Konter aber ein bisschen zu spät.

In der Gartenbeiz vom Gasthof Ochsen in Lützelflüh haben die Fahrer dann Zeit und Musse zum Philosophieren. Das Fazit der Diskussionen ist, dass ein Möschtu mit 500 Trainingskilometern zwar kein Gradmesser für eine Siegesform ist, umgekehrt einem aber den Spass am geliebten Sport gehörig verderben kann. Der Volksmund sagt, dass Teilnehmen wichtiger sei als Siegen, aber solche Redewendungen liefern in der Regel nur einen schwachen Trost.. Schlussendlich zählt zwar nur der Spass, bei manchen ist dieser allerdings nur vorhanden, wenn auch ihre Leistung stimmt.

Zum Abschluss der Sommer-Tagestour warten noch die Tanne und für den Schreibenden die Fahrt hoch nach Schwendibach als letzte Hindernisse, wodurch sich für diesen 125 Kilometer und 2300 Höhenmeter aufsummiert haben. Es hat sich gelohnt.

 

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