Digitaler Ureinwohner wird König von Schwanden

Das Bergrennen Gunten-Schwanden war ein voller Erfolg. Bei idealstem Velowetter bewältigten 37 Rennfahrerinnen und Rennfahrer die gut 500 Höhenmeter vom Thunersee hinauf zur Säge in Schwanden. In Abwesenheit von Andreas Schweizer, dem Dominator des vergangenen Jahrzehnts, stand mit Emanuel Müller (Hobby A) ein neues Gesicht zuoberst auf dem Treppchen. Die weite Anreise hat sich für den Basler doppelt gelohnt, heimste er sich doch neben dem bekannten Riesennussgipfel auch noch einen Pixelpokal auf Strava ein. Auf dem Segment „Schwanden, von Gunten via Sigriswil & Tschingel“ distanzierte er den ehemaligen Radprofi und KOM-Jäger Marcel W. um mehr als eine halbe Minute. Den Streckenrekord von Schweizer (19:12 im Jahr 2015) konnte Müller mit seinen 20:22 dennoch nicht gefährden. Zumindest virtuell ist der Vergleich mit der Siegerzeit aus dem Vorjahr aber sehr spannend, damals legte Schweizer die Strecke in 20:23 zurück.

Bleiben wir im Jahr 2017. In der Kategorie Elite/Amateure/Masters siegte Luca Cairoli mit einem Rückstand von 1:09 auf den Tagesbesten. Weitere 32 Sekunden später folgte mit Kevin Zürcher bereits der zweite Hobbyfahrer. Lizenzierte und nichtlizenzierte Fahrer wechseln sich auch im weiteren Verlauf der Rangliste regelmässig ab. Ein Bild, welches die aktuelle Situation im Radrennsport perfekt widerspiegelt. Immer weniger lizenzierte Rennfahrer stehen einer immer grösser werdenden Gruppe an Freizeitsportlern gegenüber. Letztere sind aber nicht weniger ambitioniert und investieren vermutlich auch nicht weniger Zeit in ihr Hobby als die Amateure vor zehn, zwanzig Jahren. Was aber sicher abgenommen hat, ist die Bereitschaft, an jedem Wochenende von März bis September ein Rennen zu bestreiten und entsprechende Einschränkungen im Privatleben in Kauf zu nehmen.

Besonders erfreulich war der verhältnismässig hohe Frauenanteil. Glänzten die Damen in der Ausgabe 2016 noch durch vollständige Abwesenheit, wagten sich in diesem Jahr gleich fünf Frauen auf die kurze, aber anspruchsvolle Bergstrecke. Das Feld wurde angeführt von der aktuellen Schweizer Meisterin im Einzelzeitfahren, Marlen Reusser. Obwohl sie noch am Dienstag für die schweizerische Nationalmannschaft im norwegischen Bergen im Einsatz stand, war sich Marlen nicht zu schade, wenige Tage später an unserem regionalen Bergrennen zu starten. Keine Überraschung hingegen ihr Kategoriensieg mit klarem Vorsprung. Weder auf der neuen Strecke mit Start in Gunten noch auf der alten Strecke ab Oberhofen wurde ihre Fahrzeit von 23:49 je von einer anderen Fahrerin unterboten. Übrigens waren noch vor gut 15 Jahren Frauen zu Bergrennen nicht einmal zugelassen, da diese für das weibliche Geschlecht zu anstrengend seien..

Soweit zu den harten, sportlichen Fakten. Nicht auf der Rangliste ersichtlich ist jedoch die Geschichte, dass Daniel und Karin Suter per Zufall in Gunten vorbeigefahren sind und sich spontan dazu überreden liessen, die Strecke nach Schwanden rennmässig zurückzulegen. Ihr Argument zur Teilnahme war, so oder so mit dem Velo nach Schwanden fahren zu wollen. Von dieser Einstellung könnte sich eine Gruppe urbaner Pixelfahrer aus Bern eine Scheibe abschneiden, nahmen diese ihr Training doch so ernst, dass selbst ein kurzer Stopp zur Begrüssung ihrer Kollegen nicht drin lag. Eine virtuelle Krone gab es dann trotzdem für keinen der sechs Ungeduldigen (in einer Zeit, in der fast alle fast alles freiwillig von sich preisgeben, kann das mit wenigen Mausklicks überprüft werden).

Am Ende des Tages liessen sich die Organisatoren des Anlasses zwei übriggebliebene Riesennussgipfel zu Gemüte, beziehungsweise in den Magen führen. Wären in allen Kategorien mindestens drei Fahrer klassiert worden, wäre dies nicht möglich gewesen. Bei einer noch grösseren Teilnahme im nächsten Jahr verzichten wir gerne darauf.

Fotogalerie

Rangliste Bergrennen Gunten-Schwanden

Ein Gedanke zu „Digitaler Ureinwohner wird König von Schwanden

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.