Trainingslager in Mallorca 2009
Ein Theater in sieben Akten

von Beat Neuenschwander

Die Teilnehmer:       „Clöide“: Jaggi Claudia
                                    „Beat“: Rufer Beat
                                    „Presi“: Strahm Christof
                                    „Möschtu“: Neuenschwander Beat
                                    „Gränni“: Schär Raffael
                                    „P aus G“: Peter Matthias (aus Goldiwil)

Am letzten Februartag flogen die 6 gut gelaunt auf die Mittelmeerinsel ins Trainingslager. Dieses Jahr logierte man wieder einmal in Alcudia an der Ostküste, nachdem man letztes Jahr im Ausgehparadies Ballermann bei Palma die Zelte aufschlug.

1. Akt
Bei der Ankunft hatten P aus G und der Gränni bereits die ersten Probleme, musste man doch für das Fahrradschloss 5 Euro locker machen, man musste sich gegenseitig „anpumpen“, damit überhaupt die sehr sehr kalten Zimmer bezogen werden konnten.
Beim Bezug der Mietfahrräder ging das „Gränn“ bereits los: Jede und jeder schraubte eifrig am Rad herum, bis es einigermassen den Wünschen entsprach. P aus G, der Unerfahrene, schraubte am Vorbau herum und kassierte bereits den ersten „Zämeschiss“ eines Mechanikers. Zwei Teilnehmer mussten sogar noch Schuhplatten kaufen, weil sie die entsprechenden Pedale nicht hatten. Natürlich auch das gegen Bares, was wieder zu finanziellen Engpässen führte. Womit auch klar sein dürfte, welche beiden damit gemeint sind.
Am späteren Nachmittag machte man sich auf eine erste kleine Tour, wobei der Swisscom-Mitarbeiter Räffu vom Stress beim Zimmer- und Velobezug wohl schon müde war und im Hotel blieb. Oder ahnte er, dass das Wetter nicht halten würde und die anderen noch kurz geduscht würden? Möschtu musste jedenfalls nach dieser Tour zum Mechaniker „ga gränne“, sein Hinterrad gab sehr komische Töne von sich. Das Problem konnte behoben werden.

2. Akt
Am 2. Tag stand bereits eine rechte Tour auf dem Programm. Via Petra und Montuiri führte der Weg auf den Randa Cura, einen 543m hohen Aussichtspunkt. Mit der Aussicht war es aber nicht weit her, es war tief bewölkt, kühl und windig. Nach 2h 17min Fahrzeit gedenkte man Hansruedi Sigrist. Er war ja im Herbst recht gekränkt, als er in dieser Zeit von Sion auf den Sanetsch fuhr. Normal wäre eine Zeit unter 2h für ihn, anbetracht seiner Hüftoperation und des Alters aber eigentlich eine gute Zeit… Überhaupt hatten alle bedenken, dass Sigi zuhause wohl mehr Kilometer gemacht haben könnte als wir in Mallorca. Er gab uns vor der Abreise jedenfalls zu Verstehen, dass er nicht nur herumsitzen würde. Tatsächlich wurde er Gleichtags von Möschtus Freundin in Oberburg gesichtet…
Zurück gings mit Rückenwind über Sineu und Muro unter die warme Dusche im Hotel. Die Zimmer hatten sich unterdessen zum Glück auch etwas erwärmt.

3. Akt
Erste Stimmen nach einem Ruhetag wurden laut. Ob der Gränni am Vortag bereits überfordert war, weil es unterwegs keine Ruhezimmer hatte wie an seinem Arbeitsplatz? Ist natürlich nur ein Gerücht, Tatsache ist aber, dass er zuhause blieb wegen einer (vorgetäuschten?) Grippe. Möschtu wollte auch nicht wieder 120km fahren, liess sich aber vom Präsi überreden. So fuhren die vier ins Landesinnere (Sineu-Santa Maria-Bunyola) und danach über den Orientpass. Bereits Richtung Sineu verspürte Beat das Reissen, an jeder Welle wurde der Puls hochgejagt, aber nur der Präsi machte bei diesem Spielchen mit. Es sollte nicht das letzte Mal sein.
Auch der Rückweg war wellig, durch wunderschöne, kleine Dörfer am Fusse der höchsten Berge Mallorcas.

4. Akt
Endlich Regen, oder anders ausgedrückt: Endlich Ruhe vor dem Velofahren und Zeit, um sich in der „Tankstelle“, eine Beiz unweit des Hotels, um Speis und Trank zu kümmern. Zum Schluss gab es, vom Wirt offeriert, ein Absackerl aus einheimischem Liqör. Der Wirt nannte es „Viagra von Mallorca“.
Als es am späten Nachmittag aufhörte zu Regnen, waren auf jeden Fall nur noch Möschtu und der Präsident im Stande, respektive motiviert, noch einige Kilometer auf dem Rad zurückzulegen. Beat schnürte noch die Laufschuhe. Was Mätthu und Räffu in dieser Zeit trieben, entzieht sich der Kenntnis des Schreibers. Waren sie bei der Blondine in der Massage?

5. Akt
Langsam kroch auch der Gränni wieder aus der Deckung. Auf die Tour zur Heimatstadt von Raffael Nadal nach Manacor, weiter zur Einsiedelei Ermita Bonany bei Petra und zurück mit starkem Rückenwind über Sineu und Muro nach Alcudia kam er wieder mit, dafür war Beat nicht dabei, er machte einen Lauf über 30km. Er wurde von Clöide auf dem Velo begleitet.
Vor Manacor war die Strasse wegen einer Baustelle nicht geteert, prompt fing P aus G einen Plattfuss ein. Offenbar ist die Reparatur nicht das Alltagsgeschäft von ihm, gingen doch beim Wechsel des Schlauchs zwei Pneuheber zu Bruch. Den einen Teil „versorgte“ er, wie weiss keiner, zwischen Felge und Schlauch. Die Folge: am Morgen danach konnte er sich nochmals im Schlauchwechseln üben. Zu allem Übel flickte keine 30m von ihm entfernt ein Deutscher einen Platten in der halben Zeit. Treffend ein Zitat von Räffu hierzu: „Schlauchwechseln ist nicht das gleiche wie eine Excel-Tabelle auszufüllen…“ Für Nicht-Insider: Mätthu ist Bürogummi von Beruf.
Auf dem Rückweg von Muro nach Alcudia entwickelte sich noch ein Rennen. Chrigu fuhr im Seitenwind hinaus, liess aber nach dem Kreisel die Beine hängen. Mit Rückenwind blies Möschtu zum Gegenangriff, welcher wiederum von Chrigu gekontert wurde. Mätthu mit Möschtu versuchten anschliessend vergebens, ein Loch von ca. 70m zu Chrigu und Räffu zu schliessen. So gab es Einzelankünfte beim Hotel… Typisch VCO!
Zitat von Chrigu: „Wenn Möschtu versucht davonzufahren, ist das nicht so schlau, meistens schiesst er damit ein Eigentor.“

6. Akt
Schon am Morgen früh (ca 08.00) stand der Gränni auf der Matte! Er sprach von einer 200km-Tour an die Westküste und konnte es kaum erwarten, aufs Rad zu steigen. Ganz im Gegensatz zum Zimmer mit Clöide, Beat und Chrigu: Sie mussten, warum auch immer, die Serie Alisa auf ZDF schauen, welche erst um 11.15 zu Ende geht. Somit wurde der Start immer wieder hinausgezögert, fast wie an einem Skirennen mit schlechtem Wetter. Die Schönwetterphase war somit fast vorüber, es zog ein Sturm auf. Im starken und kühlen Wind führte der Weg „nur“ über 116km, via Pollença zum Kloster Lluc, über Inca und Sineu zurück.
Nach dem Essen ereignete sich noch Interessantes: Die Männer machten ein Gewichtsvergleich auf der Waage. Hier die Auswertung: P aus G 70kg, Möschtu 75.4kg, Gränni 78.2kg, Beat 92kg, Präsi 94.6kg. Alle etwas gar schwer. Der Präsi traute der Waage nicht und stand ein zweites Mal darauf: Die Messung ergab 95.1kg… Dies bei einem erhofften Gewicht von 87kg. Allerdings sind die Daten nicht weiter verwunderlich, wer gesehen hat, wie am Buffet morgens und abends jeweils zugelangt wurde.

7. Akt
Wiederum war die Fernsehserie wichtiger als das schöne Wetter am Morgen. Hat man nichts gelernt? Ich meine Schwein gehabt, dass das Wetter diesmal hielt, es blieb den ganzen Tag schön. Anstrengend und wunderschön war die Fahrt ans Cap de Formentor, den nordöstlichsten Punkt der Insel. Skandale gab es keine mehr auf dieser Fahrt. Alle ausser Clöide waren dabei. Clöide erkundete die Insel die ganze Woche alleine, wohl in vernünftigerem Tempo als die Männer.
Interner Kilometerkönig wurde der Präsident, er machte eine Runde mehr um den Kreisel als Möschtu. Sein Ego liess es nicht zu, dass Möschtu gleichviel gefahren ist wie er. Total wurden in dieser Woche etwas mehr als 620km zurückgelegt.

Während der ganzen Woche wurde auch eifrig an den Stühlen des Vorstands gesägt. Der Präsi möchte einen Vize und fragte dafür P aus G. Er soll den Webmaster Räffu ab und zu an den Hintern kicken, damit dieser Bericht nicht erst in einem halben Jahr veröffentlicht wird. Sonst droht dem Webmaster ein Amtsenthebungsverfahren. Weiter erhob P aus G selber Ansprüche ans Präsidium. Kommt es an der nächsten HV zur Kampfwahl? Wie ernst diese Angelegenheiten wirklich sind, wird sich wohl bald weisen.

Nach einem schönen Flug über die Insel, vorbei am Mont Ventoux und am Matterhorn, landeten alle gesund und in Hochform in Zürich.

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