Interview mit Catherine Lohri
Ihr wart die einzigen Gümmeler, welche ich richtig kannte..

Catherine, du bist neben dem Radsport auch privat und beruflich sehr stark engagiert, wie schaffst Du es, alles unter einen Hut zu bringen?

Als Stress empfinde ich meinen Alltag nicht, obwohl es nicht immer einfach ist, den drei Berufen (Radprofi, Physiotherapeutin, Sportlehrerin) zu genügen. Vor allem alles nebeneinander zu organisieren ist manchmal sehr schwierig! Kurzfristige, spontane Entscheide liegen fast nicht mehr drin! Die wenige freie Zeit muss ich dann einfach der Regeneration widmen, so läuft jeder Tag sehr strukturiert ab. Aber ich möchte es im Moment nicht anders; ich kann sehr viel von den verschiedenen Berufen profitieren, und mein sehr gutes privates Umfeld gibt mir einen riesigen Halt und Kraft mich der Herausforderung als Radprofi zu stellen. Ich möchte es im Moment nicht anders - und es wird ja nicht für immer so sein.

Wir hoffen jedenfalls, du wirst uns noch eine Zeit lang als Radprofi erhalten bleiben. Was war für dich persönlich das grösste Erfolgserlebnis in deiner noch jungen Karriere? Was motiviert dich, diesen immensen Aufwand weiterhin zu betreiben?

Ja, ich möchte schon noch eine zweite Profisaison machen; und vor allem umsetzen, was ich in dieser Saison alles gelernt habe. Mein grösstes Erfolgserlebnis war sicher das gute Resultat an der Hollandrundfahrt; ich kam jeden Tag mit der Spitzengruppe an - leider bin ich keine gute Sprinterin! Ich konnte sehr viel vom Zeitfahrtraining profitieren; diese Fortschritte waren ebenfalls ein Erfolgserlebnis. Dem Zeitfahren gilt auch meine grosse Motivation; ich möchte in dieser Disziplin noch gute Resultate einfahren. Solange ich bei jedem Training noch Neues dazulernen kann und mich verbessern kann, habe ich auch genügend Motivation einen solch grossen Aufwand zu betreiben.

Warum hast du dich eigentlich ausgerechnet für den VC Oberhofen entschieden? Das Budget des benachbarten RRC Thun beträgt ja ungefähr ein Vierfaches von unserem, und dieser Club könnte dementsprechend auch höhere Prämien auszahlen.

Warum VC Oberhofen? Ihr wart die einzigen Gümmeler, welche ich richtig kannte, und so war dieser Club nahe liegend! Aber ich bin froh, in diesem Club zu sein, und freue mich schon wieder auf die nächste Clubtour! Dies bedeutet mir mehr als hohe Prämien!

Das freut uns natürlich! Du warst zuvor eine erfolgreiche Triathletin, was empfindest du als Hauptunterschied zwischen dieser und der Radsportszene?

Ich hätte früher nie gedacht, dass die zwei Sportarten/Szenen so unterschiedlich sind! - auf einen Hauptunterschied kann ich mich fast nicht beschränken.
Als Triathletin musste ich einfach gegen meinen "eigenen Sauhund" kämpfen; das Training war sehr zeitaufwändig! Wie stark ich an meine Grenzen kam, bestimmte nur ich. Nach einem Langdistanz-Triathlon war ich meist sehr müde und kaputt, alles tat weh! Aber dieses Gefühl, eine solche Herausforderung geschafft zu haben, ist sehr schön und machte mich glücklich!
Im Radsport kann ich mein Renntempo plötzlich nicht mehr selber bestimmen. Wenn eine Gegnerin attackiert, muss man meist mitgehen. Von einer Sekunde auf die andere gibt es Tempowechsel, es wird gesprintet und gekickt! Meine Leistung, die ich an einem Rennen zeige ist also oft auch fremdbestimmt. Im Gegensatz zum Triathlon ist die Technik und Taktik auch viel wichtiger, ein Fehler, und wertvolle Sekunden gehen verloren. Im Triathlon bin ich irgendwie um die Kurven geradelt, machte mir nie Gedanken über meine Fahrtechnik.
Die Szenen von diesen zwei Sportarten kann man auch nicht vergleichen. Die Triathleten sind typische Einzelkämpfer; Egoismus trifft man sicher auch ab und zu an. Trotzdem ist man seinen eigenen Herr und Meister, kann seine Ziele meist selber bestimmen!
Für mich ist der Druck im Profiradsport viel grösser. Ich muss nicht nur für mich gute Resultate fahren, sondern auch für das Team; dazu kommt noch die Aufgabe, welche ich für die Mannschaft erfüllen muss. Dieser vielseitige Leistungsdruck merkt man den Radsportlern auch an, ihre Welt dreht sich oft wirklich nur noch um den Radsport, und dass sie diesem auch genügen!
Dies war eine lange Antwort, - und könnte noch viel länger sein!

Vielen Dank für das interessante Gespräch. Wir wünschen dir noch viel Erfolg und gute Gesundheit im Verlauf deiner weiteren Laufbahn als Radprofi.

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