VCO-Clubtour 2007
Bericht 2. Tag

Raffael Schär - Nach einer ruhigen Nacht und einem reichhaltigen Frühstück begaben sich die Fahrerinnen und Fahrer, mit für den VCO ungewöhnlichen zwei Minuten Vorsprung auf die Marschtabelle, um 8:58 auf die Abfahrt vom Etappenort Leukerbad zurück in das Rhonetal, welches auf der Höhe von Salgesch erreicht wurde. Der ganze VCO-Tross umfasste übrigens zwei Fahrerinnen, zehn Fahrer, zwei Betreuerinnen und einen Betreuer. Hier sei den Betreuern noch den besten Dank ausgesprochen, waren sie doch immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort, nahmen uns unnötige Utensilien ab und sorgten dafür, dass wir nicht verdursten mussten.

War man noch bei schönstem Sonnenwetter gestartet, „strich es nun immer mehr an“ (Zitat Beat Rufer) und als wir Sion hinter sich gelassen hatten, zeichnete sich auf Höhe Martigny eine graue Wand ab. Aus diesem Grund wurde die bis dahin gemütliche Fahrt in Riddes, mit einem Kaffeehalt in einer Spelunke (die Sandwiches stammten zweifelsohne vom Vortag), unterbrochen. Nun wurde über das Wetter georakelt, um die wenigen freien Sitzplätze im Bärau-Bus gefeilscht und über die besten Zugsverbindungen diskutiert. Nachdem die erste Front hinweggezogen war, und es vom Himmel nur noch „seuferte“, setzten wir unsere Fahrt fort.

In Aigle verabschiedeten wir und von Catherine Lohri und Tom Peter, welche nun den Zug als Fortbewegungsmittel bevorzugten. Da Tom am Montag um acht Uhr Morgens irgendwo im Tessin sein musste, war dies nicht die dümmste Entscheidung, ich jedenfalls lag um diese Zeit noch halb tot im Bett.

Kurz darauf in Yvorne, der Regen hatte wieder nachgelassen, wartete das erste Hindernis des Tages auf die Übriggebliebenen, wobei „Hindernis“ für diesen Pass namens L'Hongrin total untertrieben ist. Bei vielleicht 14, vielleicht 18 Steigungsprozenten kämpften wir uns die Strasse hoch. Ich jedenfalls benötigte oft die ganze Strassenbreite, wobei diese Strasse nicht sonderlich breit war, um meine Übersetzung von 39/23 (der defekte Schalthebel lässt grüssen, sonst hätte ich noch einen 25er dabeigehabt) hochzuwürgen. Da brachte auch das Mindergewicht durch das fehlende Lenkerband keine grosse Erleichterung (ich leide nicht an einem Rasmussen-Syndrom, aber das vom Fachgeschäft verkaufte, teflonbeschichtete Bremskabel passte leider nicht in die dazuverkaufte Hülle, welche einen zu dünnen Innendurchmesser aufwies, somit wäre auch dieses Rätsel gelöst). Kurz vor der Passhöhe, der durch seine hervorragende Kondition verblüffende Thomas, normalerweise Leichtathlet und Azubi bei Graber Aschi, hatte mich soeben eingeholt, erblickte ich völlig unerwartet die, nicht zuletzt der engen Kehren wegen, seit längerer Zeit von der Bildfläche verschwundenen Hansruedi Sigi Sigrist und M. Peter vor mir. Wer die Vergangenheit kennt, dem ist klar, jetzt gab es für mich nur noch ein Ziel! Ich erhöhte die Schlagzahl kontinuierlich und konnte die beiden nebeneinander fahrenden, miteinander plaudernden Zeitgenossen, mich hatten sie schon seit langem abgeschrieben, geschickt noch vor dem Bergpreis abfangen. Somit konnte auch diese Rechnung beglichen werden.

Die Fahrt nach Le Lécherette war dann doch nicht nur eine kurze Abfahrt, sondern ein ca. 10 km langes, mühseliges Auf und Ab. Sein Rennvelo vor dem Restaurant parkierend, rief Sigi aus den Herzen (oder den Mägen) vieler: „Itz aber häre mit denä Spaghetti!“

Kaum waren die Spaghetti verschlungen, so setzte, wie könnte es anders sein, der Niederschlag erneut ein. Aber wir nahmen es mit Humor, ganz nach Sigis Zitat „der Mensch war zuerst nass“ (als er aus dem Mutterleib schlüpfte). Jedenfalls war es recht warm und bis Boltigen verlief die Fahrt wie am Schnürchen.

Kurz nachdem wir diese Ortschaft im Simmental passiert hatten, geschah das letzte erwähnenswerte Ereignis der diesjährigen Clubtour. Mit ca. 40 km/h an der Spitze der Gruppe liegend, sah ich am Ende einer ebenen Gerade einen Bahnübergang. Von weitem und durch meine verschmutzte Sonnenbrille hindurch, sah das Ganze nicht weiter spektakulär aus, so liess ich nur meine Beine kurz hängen und schnitt das Geleise leicht an. Auf der zweiten Schiene rutschte ich zwar ein wenig mit dem Hinterrad, von einem Sturz blieb ich aber glücklicherweise verschont. Nicht so die Fahrer, welche an dritter bis fünfter Stelle lagen. Ich vernahm das von früheren Radrennen wohlbekannte, scheppernde Geräusch, begleitet mit einem Gefluche, hinter mir. Glücklicherweise hatte Sigi, er kennt das Simmental wie seine eigene Hosentasche, vorgängig die Fahrbahn gegen hinten abgesichert und wir mussten so, ausser einigen Kratzern an Mensch und Maschine, keine grösseren Schäden beklagen.

Nach über sieben Stunden Fahrzeit erreichten wir schliesslich müde und glücklich Thun, wo wir unser Gepäck entgegennehmen konnten. Die erhitzten Gemüter hatten sich wieder beruhigt und alle gingen zufrieden nach Hause.

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